32 Jahre lang ein Mentor

32 Jahre war Sepp Gemein Landestrainer der rheinland-pfälzischen Springreiter: über drei Dekaden, die er mit Fachwissen, zwischenmenschlichen Werten und einer großen Begeisterung für die Jugendarbeit füllte. Im Rahmen der Deutschen Jugendmeisterschaft in Zeiskam wurde Sepp Gemein mit dem Silbernen Reiterkreuz ausgezeichnet – es war seine letzte DJM, denn Ende des Jahres wird der 70-Jährige sein Amt abgeben und den Ruhestand antreten. Zunächst wurde er auf Wunsch seiner Eltern Industriekaufmann, doch dann siegte seine eigentliche Berufung und er machte die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister. Im Sattel war Sepp Gemein ebenfalls hoch erfolgreich.

„Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde, als ich das Amt des Landestrainers angenommen habe“, sagt Sepp Gemein rückblickend. Doch er wuchs schnell in seine Aufgaben hinein und vor allem die Jugendarbeit hat es ihm schnell angetan. Auf seine Initiative geht unter anderem die Einführung der „Bestandsaufnahme“ – später Basisförderprogramm, mittlerweile FutureKids – zurück. Auch bei seiner Auszeichnung in Zeiskam erinnerte Sepp Gemein sich an einen einprägsamen Moment: „Da stand ein kleines Mädchen mit leuchtenden Augen vor mir und sagte: Ich bin sechs Jahre alt und ich möchte Springreiterin werden.“ Aus ihr wurde sogar eine zweimalige Deutsche Meisterin der Ponyspringreiter und mit leuchtenden Augen standen noch viele Kinder und Jugendliche vor dem Landestrainer, das war stets seine Motivation.

Berufung und Herzensangelegenheit

Sepp Gemein hat viele Kaderreiter auf ihrem Weg begleitet, hin zu Bundeskader, Goldenen Reitabzeichen, Nationenpreisen und Meistertiteln. Eins war und ist ihm wichtig: „Ich bin immer da.“ Und das ist er. Er ist „seinen“ Reitern nicht nur ein ausgezeichneter Trainer und Ausbilder, sondern ein Mentor und ein verlässlicher Freund. Er lehrt Fairness und Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Selbstverantwortlichkeit. Er fährt zu Turnieren, Trainings und Meisterschaften, unterstützt auch mal disziplinübergreifend und will die Springreiter von der Basis an abholen und kennen. Auch auf Bundesebene hat Sepp Gemein Wirkung gehabt: Auf seine Anregung geht unter anderem der Ponyausgleich in Springprüfungen zurück und auch die Einführung der Rahmenprüfungen auf A-Niveau bei den Süddeutschen Ponymeisterschaften hat er forciert.

„Landestrainer war für dich nicht nur ein Job, sondern Berufung und Herzensangelegenheit“, fasste Olaf Geissler, der als Landesjugendwart viele Reiter gemeinsam mit Sepp Gemein betreute, in seiner Laudatio in Zeiskam zusammen. „Du warst Gast auf Geburtstagen, auf Hochzeiten und bist Patenonkel geworden – du warst auch für deine Reiter mehr als ein Landestrainer.“ Auch Bundesjugendwartin Heidi van Thiel danke Sepp Gemein für seine langjährige Arbeit und zeichnete ihn mit dem Silbernen Reiterkreuz im Namen von Pferdesport Deutschland aus.

 

 

Eva Schaab

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