Tickets in Richtung Nachwuchs-EM

Beim Preis der Besten in Warendorf stand für Deutschlands Nachwuchsvoltigierer auch in diesem Jahr nicht nur der nationale Titel im Fokus. Für die U18- und U21-Athleten bot das Turnier zugleich eine wichtige Station mit Blick auf die anstehenden Championate im Sommer. Entsprechend hoch war das Niveau in den einzelnen Wettbewerben. „Der Preis der Besten ist für unsere Nachwuchsvoltigierer auch unser Nominierungswettkampf. Das heißt, wir werden anhand der bisher im Saisonverlauf gezeigten Leistungen und anhand der Leistungen hier auf dem Turnier unser Championatsteam für die Jugend-EM in Frankreich auswählen“, erklärt Bundestrainer Kai Vorberg die Bedeutung der Veranstaltung in Warendorf.

Ihr Chance auf ein EM-Ticket konnte Lara Veth nutzen: Die 18 Jahre alte Voltigiererin aus Schwegenheim belegte beim Preis der Besten den vierten Platz in der Junioren-Konkurrenz der Damen und konnte sich im Anschluss an das Turnier über eine Nominierung zur Nachwuchs-EM im Sommer in Le Mans mit Icarus und ihrer Longenführerin Ute Veth freuen. Dabei machte Lara Veth es äußerst spannend: In der ersten Kür war ihr Abgang außerhalb der Zeit, was Abzüge kostete und sie in diesem Teilwettbewerb nur auf Rang neun landen ließ. Doch in der finalen Kür, die 50 Prozent der Endnote ausmacht, bewies die 18-Jährige Nervenstärke, zeigte die drittbeste Kür und schob sich damit wieder nach vorne auf den vierten Platz. Mit Luisa Rossitsch war eine zweite rheinland-pfälzische Voltigiererin für den Preis der Besten in der Altersklasse U21 nominiert gewesen, doch die 20-Jährige musste nach dem Technikprogramm verletzungsbedingt zurückziehen, da sie sich beim Aufsprung den Fuß verdreht hatte.

Fünf Dressurreiter für die Future Champions nominiert

Der Preis der Besten zählt auch für die Dressur- und Springreiter zu den wichtigsten Nachwuchsveranstaltungen im deutschen Pferdesport und fungierte erneut als erste Sichtung für die Nachwuchs-Europameisterschaften in diesem Jahr. Die zweite findet Mitte Juni beim internationalen Jugendturnier Future Champions in Hagen a.T.W. statt – und dort wird erneut eine starke PSVRP-Equipe am Start sein. “Fünf nominierte Reiter für die Future Champions – das ist schon toll!”, freute sich Dressur-Landestrainer Bruno Eidam über die starke Leistung seiner Kaderreiter, die in Warendorf mehrere Top Ten-Platzierungen für sich verbuchten.

Siebte in der Gesamtwertung der Jungen Reiter (U21) wurde Martha Pickers mit Ferri Rousseau nach zwei starken Prüfungen mit über 69 Prozent – am ersten Tag drückten Wechselfehler sogar die Note. “Das war super, Martha ist einfach routiniert und sicher in der Prüfung. Sie weiß, was sie tut”, lobte Bruno Eidam. Neben den Future Champions erhielt die 18-Jährige auch eine Startgenehmigung für das Nationenpreisturnier im belgischen Lier. Laura Löcher und Wynton’s Son FRH ließen am ersten Tag Punkte liegen und landeten im Gesamtklassement auf Rang 20. “Das hat sie ein bisschen verpennt”, sagte der Landestrainer ehrlich. “Am zweiten Tag war die Leistung wieder gut.” Auch die 21-Jährige war am Ende versöhnt mit ihrem Auftritt in Warendorf: “Es war eine tolle Erfahrung. Wir konnten mit einer ordentlichen Prüfung und einigen Highlights einen schönen Abschluss feiern.”

“Ich könnte nicht stolzer sein”

Greta Louise Wagner und Vanessa H knüpfen bei den Junioren (U18) an ihre Leistungen vom Sichtungsturnier in Kronberg an und beendeten den Preis der Besten auf Rang acht – nächste Station: Future Champions! “Das war ein unfassbar schönes und lehrreiches Wochenende in Warendorf”, sagte die 15-Jährige, die bei den Children bereits eine EM-Medaille gewinnen konnte. “Ich könnte nicht stolzer auf Vicky sein!” Auch Bruno Eidam bescheinigte ihr zwei anständige Prüfungen: “Die beiden haben sich gut zusammengefunden.”

Mit einer makellosen Bilanz beendeten die drei nominierten rheinland-pfälzischen Children (U14) den Preis der Besten, alle drei konnten sich in den Top Ten platzieren und erhielten eine Startgenehmigung für die Future Champions als zweite EM-Sichtung. Fünfte im Gesamtklassement wurde Anastasia Thomsen mit Findus. Landestrainer Bruno Eidam lobte die sehr gute Entwicklung der 13-jährigen Bundeskader-Reiterin und auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit ihrem Heimtrainer Arjan van Loon. Auf dem neunten Platz landete die 14-jährige Larissa Bruckschen mit Little Fame. “In der zweiten Spannung gab es ein bisschen Spannung, aber sie hat sich gut verkauft”, beurteilte Bruno Eidam. “Larissa sitzt toll zu Pferd und hat sich toll entwickelt.”

Harmoniepreis für Jasper Rasche

Ein bisschen Pech hatte Jasper Rasche am ersten Tag: Im Außengalopp sprang Limoncelli um, statt den Fehler über Schritt zu korrigieren, ritt der Zwölfjährige einen Wechsel zurück, was die Richter als Verreiten werteten. “Das hat mich viele Punkte gekostet”, sagte Jasper Rasche. “Doch der zweite Tag hat alles wieder rausgeholt.” Am Ende war es Rang zehn für ihn und zudem der Harmoniepreis als ganz besondere Auszeichnung. Die Begründung der Fachjury stellte Jaspers Reiten mit gefühlvollen Übergängen, einem losgelassenen Sitz und Loben im richtigen Maß sowie seinen vorbildlichen und freundlichen Umgang mit seinem Team und anderen Reitern heraus. Im Feld der Ponyreiter (U16) war Fabiana Kauf am Start – mit ihrem Pony Daydreamer NRW konnte die 15-Jährige in ihrem letzten Ponyjahr leider nicht an ihre bisherigen Leistungen anknüpfen und bildete das Schlusslicht des Feldes. “Das Pony war leider sehr guckig am ersten Tag”, erklärte Bruno Eidam. “Am zweiten Tag ist Fabiana dann sehr vorsichtig geritten.”

Spring-Landestrainer Sepp Gemein war mit vier Kaderreitern in Warendorf und war in Summe zufrieden. Johanna Schmitz und Pretoria van het Kapelhof kamen im Endklassement der Children (U14) auf Rang 27. Nach einer “ordentlichen ersten Runde”, wie ihr Sepp Gemein bescheinigte, hatte die 13-Jährige in der zweiten Wertung eine ganz schlechte Distanz zur Dreifachen Kombination und schied nach zwei Stopps aus. “Da fehlt es noch etwas an der Konsequenz des Reitens”, analysierte der Landestrainer. Bei den Junioren (U18) belegte Friedrich Pickers mit Chico den 22. Platz. In der ersten Wertung auf S*-Niveau blieb das Paar fehlerfrei, rangierte durch den Zeitspring-Modus aber bereits im Mittelfeld, am Sonntag kamen zwei Abwürfe hinzu. “Das war sehr ordentlich”, bilanzierte Sepp Gemein. “Friedrich ist mit viel Übersicht geritten und ist den Anforderungen gerecht geworden – und die sind hier durch die Euro-Sichtung sehr hoch.” Zufrieden war der Landestrainer auch mit Friedrich Pickers’ Zweitpferd Lot’s of Happyness, mit dem der 17-Jährige im letzten Sommer noch auf L-Niveau unterwegs war: “Das ist eine tolle Entwicklung, da sehe ich auch eine Perspektive in Richtung DJM als Reserve für Chico.”

Erste Wertung an Naomi Himmelreich

Mit Siegen beim Preis der Besten kennt sie sich aus – Naomi Himmelreich hat die Gesamtwertung bereits viermal gewonnen, 2021 bei den Children (U14) und dann von 2022 bis 2024 dreimal in Folge bei den Junioren (U18). In diesem Jahr, nun bei den Jungen Reitern (U21), gewann die 18-Jährige mit ihrer Stute Flying Kiss die erste Wertungsprüfung, ein S**-Springen. In der zweiten Wertung, einem Springen über 1,50 Meter mit zwei Umläufen, hatte Naomi Himmelreich jeweils einen Abwurf. “Da ist man von der Spitze eben weg”, sagte Sepp Gemein. “Naomi hat ihre Leistung abgerufen, ein Quäntchen Glück gehört eben auch dazu.” Zufrieden war der Landestrainer auch mit Lena Marie Zins. Mit Karat du Plessis ritt die ebenfalls 18 Jahre alte Reiterin, die lange in Spanien gelebt hat und nun bei Martin Haunhorst in Hagen trainiert, sonntags ihr erstes S***-Springen und landete am Ende auf einem Platz im Mittelfeld. “Das ist ein sehr positives Ergebnis”, lobte Sepp Gemein. “Hut ab!” Beide Reiterinnen erhielten eine Startgenehmigung für die Future Champions in Hagen zur zweiten Sichtung für die Nachwuchs-Europameisterschaften.

Eva Schaab

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