Bei der WM in Aachen

Die Voltigier-Wettbewerbe bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen waren ein Fest, sie werden bei den Teilnehmern unvergessen bleiben. Mittendrin waren vier Longenführer aus Rheinland-Pfalz. Die spektakulärste Aufgabe hatte Carolin Noner vom TuS Fortuna Saarburg übernommen. Saarburg hatte dem belgischen Voltigierteam ihre Bogar zur Verfügung gestellt. Die neunjährige Rappstute steht in ihrer zweiten Voltigiersaison. „Die Belgier haben uns nach dem Turnier in Lier angesprochen, weil sie gesehen haben, dass wir viele Pferde haben“, berichtet Noner von der ersten Kontaktaufnahme. Beim CVI-Turnier im Sentowerpark im belgischen Opglabbeek erlebte das Team um die routinierte Lauren Vanlerberghe seine Feuertaufe vor Heimpublikum und löste eine riesige Euphorie auf. „Die Mädels hatten zuvor nie auf Bogar trainiert“, erinnert sich Noner. Erst kurz vor dem Start gab es Probeumläufe. Vor dem Start in Aachen waren die Belgierinnen zweimal in Saarburg, um ihr Programm auf dem Pferd zu üben. „Wir haben trainiert, zusammen gegrillt und hatten viel Spaß“, erzählt die Longenführerin, die angetan war von den sympathischen, hoch motivierten Belgierinnen im Alter von elf bis 29 Jahren. „Das war eine super liebe Truppe, tolle Mädels“, berichtet sie.

„Ich habe bis kurz vor der Abfahrt nicht so richtig begriffen, dass ich dann wirklich mitfahre“, bemerkt Noner mit Blick auf Aachen. Dann stand sie im Zirkel des überdachten Dressurstadions in der Soers, das für die Voltigierwettbewerbe mehr als 6000 Zuschauer fasste: „Das ist schon eine ganz andere Hausnummer. Im Zirkel selbst bekomme man davon wenig mit, da ist man fokussiert auf sein Pferd. Ich habe es erst hinterher geschafft, die Atmosphäre einzufangen“. Sie räumt ein, dass „ich ein bisschen Angst hatte, dass ich richtig nervös sein werde.“ Das sei aber nicht der Fall gewesen. Sie ist stolz auf das Geleistete. Die Gruppe wurde Zehnte, verpasste den Nationenpreis nur knapp. „Mein Pferd war herausragend, es ist ja erst die zweite Saison, für ein neunjähriges Pferd gibt es da nicht viel zu meckern.“ Das Video der Kür hat sich Carolin Noner mittlerweile mehrfach angeschaut. „Es macht so Spaß, das anzuschauen.“ Der Kontakt zu den Belgierinnen ist nicht abgerissen. „Wir schreiben uns alle über WhatsApp, da sind schon Freundschaften entstanden“, sagt sie.

Begeisterung bei den Zuschauern

Susanne Wunderle vom IFZ Wackernheim war mit Fiolek am Start, sie longierte das Doppel aus Uruguay.  Die Wackernheimer hatten bei einem CVI argentinische Voltigierer kennengelernt, so kam der Kontakt zu den beiden jungen Uruguayerinnen zustande. Eine Woche vor Aachen reisten sie an und zogen bei Familie Wolf-Wunderle ein. „Sie waren ein Teil der Familie, wir haben zusammen trainiert und sie zu Ausflügen mitgenommen“, erzählt Susanne Wunderle. Für die beiden habe der olympische Gedanke gezählt, berichtet sie. Alle empfanden die Teilnahme in Aachen als ganz besonderes Erlebnis. Und Wunderle freute sich darüber, welche Begeisterung ihr Fiolek bei Zuschauern auslöste. „Fiolek war das einzige Pferd, das so aussieht“, sagte sie lachend.

Der Wackenheimer Jonathan Schumacher longierte Oslo, den er dem US-Amerikaner Jace Brooks zur Verfügung gestellt hatte. Die drei sind ein vergleichsweise eingespieltes Team, sie starteten bereits im Weltcup-Finale in Opglabbeek gemeinsam. Brooks steigerte sich von Umlauf zu Umlauf und zeigte zum Abschluss eine gute Kür. In der Herrenkonkurrenz belegte er Rang 16. Die größte Routine brachte die championatserfahrene Alexandra Dietrich (Mainz-Ebersheim) in den Zirkel. Sie longierte Ballantines, das Pferd des Luxemburgers Philip Bäcker, der in Mainz lebt und für Mainz-Ebersheim startet. Bäcker leistete Historisches, er ist der erste Luxemburger, der an einer Senior-WM teilgenommen hat. Er tat das als 18. im Herrenfeld mit Erfolg und zeigte die wohl beste Kür seiner Karriere.

Andreas Danner
Foto: Andreas Danner

Eva Schaab

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