Die diesjährigen rheinland-pfälzischen Landesmeisterschaften der Dressurreiter verlangten von Ausrichtern, Reitern und Offiziellen viel Flexibilität – heiße Temperaturen machten einige Planänderungen nötig. Mit frühem Beginn um 6.30 Uhr und langer Mittagspause bis in die Abendstunden, zahlreichen Wasserverneblern und Waschplätzen, einem perfekt durchlüfteten Stallzelt und Platzierungen ohne Pferd konnte das dreitägige Turnier beim RFV Rheinböllen durchgeführt werden.
Im Vorfeld habe eine Absage angesichts des „Hitze-Wochenendes“ im Raum gestanden, sagte PSVRP-Geschäftsführerin Annika Stahl: „Mit der Turnierleitung haben wir dann die Herausforderung angenommen und uns der Verantwortung gestellt, solche Bedingungen zu schaffen, die eine pferdegerechte Veranstaltung möglich machen. Auch an die Helfer und die Offiziellen haben wir gedacht, denn sie sind den ganzen Tag vor Ort. Natürlich haben wir die Situation ständig beobachtet und standen im Austausch mit Tierärzten und dem Veterinäramt. Die günstige geografische Lage auf der Hunsrück-Höhe am Wald, der wahnsinnig engagierte RFV Rheinböllen und die Flexibilität aller Beteiligten waren letztlich ausschlaggebend für das Gelingen.“
Enge Begleitung
„Jeder Pferdesportler ist verpflichtet, die Belastbarkeit seines Pferdes realistisch einzuschätzen“, betonte Carlotta Steinbach, Vorsitzende der Landeskommission, Tierschutzbeauftragte und selbst Pferde-Tierärztin. „Die verantwortlichen Personen kennen den Trainingszustand, die Gesundheit und die individuelle Belastbarkeit ihrer Pferde – ebenso wie ihre eigenen Möglichkeiten – am besten.“ So herrschte volles Verständnis für die Reiter, die ihre Teilnahme zurückzogen – für die Landeskaderreiter wurde die Teilnahmepflicht beispielsweise aufgehoben. Eng begleitet wurde die Meisterschaft von Tierarzt Dr. Kai Kreling, der zahlreiche Pferdekontrollen durchführte: „Die Situation ist für die Pferde sehr annehmbar gemacht worden, es ist auch unter diesen Bedingungen eine absolut pferdegerechte Veranstaltung.“
Die Reiter wussten die Bemühungen des RFV Rheinböllen und des PSVRP zu schätzen: „Ihr habt alles für unsere Pferde und uns gemacht – das ist nicht selbstverständlich“, sagte Roxana Noack bei der großen Meisterehrung und sprach den Ausrichtern im Namen der Reiter ein großes Lob aus. Auch dankte sie ihren Reiterkollegen für umsichtige Vorbereitung und gutes Management der Pferde. „Es gab keine übermäßig verschwitzten Pferde, sie waren alle fit und frisch“, bescheinigte Dr. Kai Kreling.
Neue und alte Landesmeister
Roxana Noack (RFV Rheinböllen) war es dann auch, die sich nach drei Prüfungen auf S-Niveau zum neuen Landesmeistertitel bei den Reitern beglückwünschen lassen durfte. Im Sattel der neunjährigen Trakehner Helium-Tochter Kind of Magic erhielt die 37-Jährige durchweg die meisten Prozentzahlen und siegte so am Ende mit komfortablem Vorsprung von über acht Prozent in der Meisterschaftswertung vor Saskia Henn (Laubenheimer RV) mit Braveheart und Marlay Demmler (RFV Alsenborn) mit Dancing Boy M. Stark ausgedünnt war das Feld in der Grand Prix-Wertung: Alisha Zimmer (PferdeSC Erbes-Büdesheim) zeigte mit ihrem selbst ausgebildeten Sympathico zwei feine Runden in der Inter-II und dem Kurz-Grand Prix auf Drei-Sterne-Niveau und wurde konkurrenzlos, aber nicht unverdient Landesmeisterin in dieser Wertung.
Als einzige Landesmeisterin des Vorjahres konnte Martha Pickers ihren Titel verteidigen: Die 18-Jährige vom RZV Koblenz-Metternich, die aktuell in den Bundeskader NK2 berufen wurde, setzte auf ihren bewährten Ferri Rousseau und lag in allen drei S*-Wertungen deutlich vorne mit jeweils über 70 Prozent. Damit gab es erneut die Schärpe für sie, gefolgt von der Vorjahresdritten Angelina Kehr (PferdeSC Erbes-Büdesheim) mit Bellonii und Leonie Kraus (VFZ Mainz-Ebersheim) im Sattel von Solitaire Black P. 2023 und 2024 waren Martha Pickers und Ferri Rousseau übrigens die Junioren-Meister, 2021 und 2022 wurde die junge Reiterin Landesmeisterin der Ponyreiter mit Gernegroß VDH – eine tolle Serie, die Talent und Konstanz beweist!
Romy Weber siegt bei den Junioren
Etwas überraschend kam der Sieg von Romy Weber: Bei den Ponyreitern gewann sie 2024 zum Abschluss ihrer Ponyzeit den Titel, danach stand das Zusammenfinden mit dem nun siebenjährigen Fabelhaft im Fokus. Das scheint äußerst geglückt zu sein, das Paar vom RZV Koblenz-Metternich konnte bereits einige M-Prüfungen in diesem Jahr gewinnen und erneut in Rheinböllen konnte Romy Weber ihre Juniorenzeit mit dem Meistertitel abschließen. Drei Prüfungssiege – unter anderem in der ersten gemeinsamen Kür – ließen keine Zweifel aufkommen. „Fabelhaft hat alles gegeben und war in jedem Moment voll bei mir“, freute sich die 17-Jährige. Vize-Meisterin wurde Melissa Wetzlar (RFV Rheinböllen) mit Bellis Blue Label nach einer starken Kür, die Bronzemedaille gewann Diana Selina Nonnen (RV Neuwied) mit Toledo.
Unangefochten war der Titelgewinn von Larissa Bruckschen (PSG Trier-Pellingen) bei den Children. Die 14-Jährige, Mitglied im Bundeskader NK1 und Reservistin für die EM, gewann alle drei Prüfungen mit Little Fame deutlich und lag am Ende über 15 Prozent vor der zweitplatzierten Nené Gall (RV Hochdorf), die erst zu Beginn der Woche ihr bisheriges Erfolgspferd Feiner Dantino abgeben musste und kurzfristig auf den siebenjährigen Gestüt Pfalzblicks Bailador setzte. Eine gute Entscheidung, das bewiesen feine Runden und drei zweite Plätze mit hohen Wertnoten für die 13-Jährige! Clea-Marleen Jahr (RFV Rheinböllen) und Bendix komplettierten das Treppchen als Dritte.
Meister der Ponyreiter
Bei den Ponyreitern auf FEI-Niveau erritten Joules Radovic (Ingelheimer RV) und J.B. Mirage ihren ersten Meistertitel – ein schöner Erfolg im letzten Ponyjahr! Zwar konnten die beiden keine der drei FEI-Wertungsprüfungen gewinnen, doch lieferten sie die konstanteste Leistung. Über die Vize-Meisterschaft freute sich Lena Berghaus (RV Neuwied), die mit Ninja Warrior M die erste Wertung gewann. Das siebenjährige Pony hat sie von ihrem Vereinskollegen Jasper Rasche übernommen, der sich derzeit auf die Children-Tour erfolgreich konzentriert. Die abschließende Kür gewannen Fabiana Kauf (RC Hofgut Petersau) und Daydreamer NRW, damit wurde es Bronze in der Meisterschaft für die 15-Jährige. Auch die zweite Wertung hatte Fabiana Kauf für sich entschieden, allerdings mit ihrem Zweitpony Now or Never.
Solide Runden zeigten die Teilnehmerinnen am Pony-Nachwuchschampionat, das Laura Sophia Viernow (Pferdefreunde Fröhnerhof) mit Hennessy vor ihrer Vereinskollegin Antonia Kopper mit Dito van Esseborg und Mia Gattung (RV Neuwied) mit Coer’s Flip gewann. „Ich bin unglaublich stolz auf unsere Ergebnisse und bin meinem Pony und allen, die uns unterstützen, von Herzen dankbar“, freute sich die 13 Jahre alte Reiterin.
Ticket zur Deutschen Amateurmeisterschaft
Drei Meisterschaften waren erneut für die Amateure ausgeschrieben. Bei den LM-Masters auf L-Niveau dominierten Cassandra Heilmann (ARC Mainz) und Kiro de Rivero, die alle drei Wertungen gewannen und die Gesamtrangierung vor Alida Ebbingshaus (RV Idar-Oberstein) mit Fürst Carry und Lisa Kern (RFV Weisenheim am Sand) mit Azulon anführten. Im Amateur-Championat ging es um die Qualifikation zum Deutsche Amateurchampionat in Zeiskam im September und dort wird Jascha Katharina Bitterlich den Verband vertreten. Mit San d’Oro, einem Pferd aus der Zucht ihres Vaters, gewann die 38-Jährige vom RFV Bruchweiler die zweite Wertung auf M*-Niveau und freute sich über den Meistertitel. Silber ging an Martina Simon (RFV Mainz-Ebersheim) und Rock n’Roll, die Sieger der ersten und dritten Wertung, Juliette Schuth (RSG Soonwald) und Danny Black komplettierten das Treppchen.
Als Siegerin in der Landesmeisterschaft der Amateure ist auch Laura Körting (PSV Falkenhorst Helferskirchen) für die DAM in Zeiskam qualifiziert – mit Amazing Grace setzte sich die 36-Jährige nach dreimal Top-Bewertung auf S*-Niveau deutlich vor Celine Geissler (FRV Fußgönheim) mit Scubidu Z und Anna Katharina Pertack (RFV Mainz-Ebersheim) im Sattel von Quintus. Ein positiver Nebeneffekt der Sommerhitze: Die Meistertaufe im aufgestellten Pool war für alle Medaillenträger mehr als willkommen!











